Lammfleisch aus Island, ein Nischenprodukt im Fokus

[Werbung durch Verlinkung, Photocredit Titelfoto und Polarlichter: Vikingyr]

Vergangenes Wochenende war ich zum Blogger-Café by Seidl  eingeladen. Das ist eine regelmäßig stattfindende Veranstaltung, wo man auf Augenhöhe mit den teilnehmenden Firmen auch ernste Themen ansprechen und diskutieren kann und eine Präsentation, sowie Verkostung dieser Produkte erleben darf. Der diesmalige Partner war die Albert-Rauch GmbH und es ging ausschliesslich um deren Produktreihe “Vikingyr„, ein aus Island importiertes und vermarktetes Lammfleisch. Mit im Gepäck hatten die Veranstalter den isländischen Koch Gísli Matthías Auðunsson, der ein sehr hoch geschätztes Restaurant auf Island betreibt und wunderbar für uns gekocht hat. Das macht er sonst übrigens auch für seinen Präsidenten auf Auslandsreisen.

Ich möchte heute weniger auf die einzelnen Speisen, die an Köstlichkeit kaum zu toppen waren, eingehen, sondern einen genaueren Einblick geben, warum diese Produkte aus Island, weltweit als Delikatesse gelten, bzw. was sie so besonders macht.

Der globale Fleischhandel ist, wie ihr alle wisst, eines der Reizthemen unserer Zeit. Die Diskrepanz ethischer Bewertungen über dieses Thema, hat bereits zu einem Paradigmenwechsel in den Köpfen vieler Konsumenten geführt. Dafür kommen multifaktorielle Ursachen in Betracht, wie etwa mediale Aufklärung über die Bedingungen der Tierhaltung und Schlachtung, sowie Kampagnen von Veganern oder alarmierende Berichte über die medizinischen Aspekte eines zu hohen Fleischkonsums, bzw. die bedenklichen Inhaltsstoffe desselben.

Während sich viele Landwirte redlich um ökologische Land- und Viehwirtschaft bemühen, scheitern sie nicht selten an kompliziertem Regelwerk, EU-Normen und dergleichen. Hinzu kommt die mangelnde Bereitschaft vieler Verbraucher, für den Mehraufwand, den artgerechte Tierhaltung mit sich bringt, angemessen zu bezahlen, bzw. den Umfang ihres Fleischkonsums insgesamt zu überdenken.

Die klimatischen Bedingungen auf Island sind extrem und diesen Erfordernissen passt sich die dortige Viehwirtschaft an. Einst von den Wikingern um 800 n.Chr. nach Island gebracht, verfügt diese Rasse noch immer über dieselbe genetische Übereinstimmung, was man in der Biologie auch als „Isolatpopulation“ bezeichnet. Der Hauptgrund dafür, dürfte der Verzicht auf Einkreuzungen sein, was sonst gerne erfolgt, um bestimmte Merkmale einer Rasse zu verstärken. Das Islandschaf ist daher also genetisch noch das gleiche Schaf, dass die Wikinger mit in dieses unwirtliche Klima gebracht haben, hoffend, dass es mit dem rauhen Wetter irgendwie fertig wird. Sie haben recht behalten. Die Schafe leben unbeaufsichtigt im Hochland und die Suche nach Nahrung gestaltet sich zuweilen schwierig, was dazu führt, dass die Schafe nomadengleich auf der Suche nach Futter (in Form von Kräutern, Flechten und wenig Gras) auf der Vulkaninsel unterwegs sind. Sie sind sehr robust und wenig anfällig für Krankheiten. Diese Lebensform mit ständiger Bewegung, führt zu einem anderen Körperaufbau, da sie im Vergleich zum klassischen grasenden Schaf über einen differenten Muskelaufbau verfügen. Die weiteren wesentlichen Aspekte dieser isolierten Haltung, sind eine deutlich reduzierte Zahl artspezifischer Erkrankungen. Während in den sonstigen Produktionsländern im Schnitt 66 Schafkrankheiten bekannt sind, kennt man auf Island lediglich 3 davon. Die Lämmer wachsen antibiotika- und hormonfrei auf und werden vor Eintritt der Geschlechtsreife traditionell nach dem Abtrieb im Herbst geschlachtet. Resultierend daraus erhält das Fleisch durch den Mangel an Geschlechtshormonen eine zarte Faser mit feinem Geschmack und einem geringeren Wasseranteil, wodurch die Schrumpfungsneigung  bei der Zubereitung deutlich sinkt. Das Islandschaf neigt genetisch bedingt zu höheren Mehrlingsgeburten, so dass auch 5-6 Lämmer durchaus vorkommen können.

Trotzdem wird es nicht als Bio-Fleisch verkauft, denn da Island kein Mitglied der EU ist, fallen derartige Deklarationen wie Bio-Fleisch, Tierwohl etc. weg (da dies EU-Richtlinien und deren Gütesiegel sind). Allerdings kann meiner Meinung nach, Fleisch eigentlich nicht reiner und natürlicher sein als dieses.

Besonderheiten dieser Marke gibt es auch im Marketing und Vertrieb. Das Unternehmen plädiert auf eine „Nose-to-Tail“-Strategie und verkauft ausschließlich das ganze Lamm zerlegt an die Märkte und nicht nur bevorzugte Stücke wie Filet. Dies hat auch etwas mit der geschuldeten Wertschätzung gegenüber dem Tier zu tun. Während normalerweise der handelsübliche Preis als Maßstab und der Dumping Preis als Verhandlungsbasis dient, lernen wir hier, dass es auch anders geht. Vikingyr macht sich frei von dieser Preispolitik und handelt, wie man das sonst nur aus dem alternativen Bereich der Eine-Welt-Läden kennt:

„Was brauchen die Menschen vor Ort um davon leben zu können und die Bedingungen der Schafhaltung so zu belassen, wie sie sind“?

Fairtrade im Fleisch-Handel, kann das funktionieren? Das wünsche ich mir als Endverbraucher schon lange, nicht nur beim Fleisch, sondern bei allen Produkten. Mich persönlich stimmt es hoffnungsvoll, ein Unternehmen kennengelernt zu haben, das für sein außergewöhnliches Konzept brennt und seine Strategie mit Leidenschaft verfolgt.

Es leben weit mehr Schafe auf Island als Menschen. Abgeschieden vom Rest der Welt, bildet der traditionelle Handel mit Fisch und Fleisch die Lebensgrundlage dieser Menschen, die im ruralen Bereich immer noch mit 3 Generationen unter einem Dach leben und doch nichts anderes wollen, als ihre Welt, ihre Insel, wenn möglich in einem noch besseren Zustand als angetroffen, an ihre Kinder übergeben zu können und ganz ehrlich, wollen wir das nicht alle?

©️Susanne Heiser

Nachfolgend noch ein paar Inspirationen

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